Was ist Human Factors?
„Die menschlichen Faktoren (Human Factors) sind alle physischen, psychischen und sozialen Charakteristika des Menschen, insofern sie das Handeln in und mit soziotechnischen Systemen beeinflussen oder von diesen beeinflusst werden.
Human Factors ist eine Wissenschaft die sich mit der Rolle des Menschen in komplexen Systemen, mit dem Design von Ausrüstung, technischen Hilsmitteln und Gerätschaften und mit der Anpassung der Arbeitsumgebung mit dem Ziel der Steigerung von Komfort und Sicherheit befasst.
Human Factors ist eine angewandte Technologie, die sich damit beschäftigt, das Verhältnis zwischen Menschen und ihren Aktivitäten zu optimieren. Dies geschieht durch die systematische Anwendung der Humanwissenschaften innerhalb des Kontextes der Systemgestaltung (“systems engineering”). Die Ziele von Human Factors sind damit Effizienz und Sicherheit des Systems und das Wohlergehen des darin tätigen Menschen.
Es gibt nicht “den“ menschlichen Faktor in der Interaktion mit technischen Systemen, sondern viele “menschliche Faktoren”, die berücksichtigt werden müssen, wenn Arbeitssysteme sicher und effektiv und für die darin arbeitenden Menschen zuträglich sein sollen.”
(vergl. Badke-Schaub et al., “Human Factors”, Springer 2008)
In unserem Alltag ist der Umgang mit Technik von besonderer Wichtigkeit. Das Mithalten mit der Technikentwicklung kann manchen Menschen und z.B. älteren Mitbürgen schwer fallen. Oft entsteht eine Lücke zwischen den technischen Möglichkeiten eines Systems und dem Bedienverhalten der Anwender.
Technische Systeme in Alltag und Beruf sollen nicht nur funktionell besser werden sondern auch in ihrer Anwendbarkeit, so dass sich Systeme wie Computer, Autos, Handys den Bedürfnissen und der Wahrnehmung der Menschen anpassen und nicht umgekehrt. Dieser Prozess der Entwicklung und des Designs benutzerfreundlicher und gebrauchstauglicher Technik wird Usability Engineering genannt und ist ein zentrales Anliegen von Human Factors.
Mensch-Maschine-Systeme werden hier im Wesentlichen als gemeinsam handelnde Einheit aus beiden Komponenten gesehen. In Bezug auf beispielsweise Sicherheit, Effizienz oder Aufgabenverteilung betrachtet man sie in ihren Grenzen und Fähigkeiten und besonders ihrer Interaktion. Bei MMS werden dazu insbesondere die Benutzerschnittstellen untersucht, die ein Interagieren von Maschine und Mensch ermöglichen, also Möglichkeiten für Input und Output zur Verfügung stellen. Dazu gehören zum Beispiel Tastaturen und Displays.
Anwendungsbereiche von Human Factors sind u.a. zukünftige Entwicklungen in der Luftfahrt, Patientensicherheit und Medizintechnik, Präventionsansätze (Unfallverhütung) in der Prozessindustrie, komplexe Problemlagen bei militärischen Operationen, Stabsarbeit bei der Polizei. Dazu werden auch Methoden der Neuroergonomie eingesetzt, das heißt, bei geistigen Tätigkeiten wird untersucht, wie Aufgaben und Anforderungen an den Menschen in den genannten Gebieten vom Gehirn bearbeitet werden. Darauf aufbauend können Effizienz und Sicherheit verbessert werden, in dem man die Anforderungen „ergonomischer”, also angepasst an die menschlichen Fähigkeiten gestaltet.
Studiengang Human Factors (M.Sc.) und Forschung an der TU Berlin
Welche neuen Herausforderungen stellen sich dem Menschen in Zusammenhang mit der Nutzung moderner und zukünftiger Technologien und wie können sie bewältigt werden? Das zentrale Ziel des Studiums an der TU besteht in dem Erwerb von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Kompetenzen, die zu einem besseren Verständnis und einer Optimierung der Interaktion zwischen Mensch und Technik beitragen. Im Mittelpunkt steht daher eine intensive Beschäftigung mit wesentlichen Erkenntnissen und Methoden der Psychologie und grundlegenden arbeits- und ingenieurwissenschaftlichen Inhalten. Dieses Wissen bildet das Fundament für eine menschenzentrierte Technikgestaltung, die für unsere moderne Gesellschaft immer wichtiger wird. Das Masterprogramm Human Factors ist ein interdisziplinärer Studiengang für Studierende mit einem ersten Studienabschluss in Psychologie oder einem ingenieurwissenschaftlichen Fach. Optimale Vorbereitung auf ein interdisziplinäres Berufs- und Aufgabenfeld. Gute Studier- und Arbeitsbedingungen mit engagierter Betreuung durch die Lehrenden. Verfügbarkeit guter Laboreinrichtungen. Ein in dieser Art bisher einzigartiges Studienangebot in Deutschland. Für Graduierte besteht die Möglichkeit, am Forschungskolleg Prometei verwandte Forschungsthemen zu vertiefen.
Am Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft (Fakultät V – Verkehrs- und Maschinensysteme) beschäftigen sich die Fachgebiete im Bereich Human Factors mit folgenden Forschungsschwerpunkten:
Fachgebiet für:
- Arbeits-, Ingenieur- und Organisationspsychologie
Systemsicherheit Probleme individueller und kooperativer Arbeit in Mensch-Maschine Systemen Raumfahrtpsychologie- Arbeitswissenschaft und Produktergonomie
Analyse und Optimierung klinischer Arbeitsprozesse Ergonomie in der Medizintechnik – Medicoergonomics Arbeitssystem Gesundheitsversorgung- Biopsychologie und Neuroergonomie
Psychophysiologie von Stress und Stressbewältigung Bio- /Neuropsychologie der Emotion- Kognitionspsychologie und Kognitiver Ergonomie
Evaluation von Mensch-Maschine-Systemen Entwicklung von Methoden und Tools zur Bewertung der Benutzbarkeit von Software Verarbeitung und mentale Repräsentation von zeitbezogenen Textinformationen- Mensch-Maschine-Systeme
Blickbewegungsmessung Psychophysiologische Interfaces Gestaltung intuitiver Benutzung Nutzermodellierung- Umwelt- und Technikpsychologie
Entscheidungs-, Sicherheits-, Risikoverhalten Wahrnehmung und Kommunikation technischer, gesundheitlicher und finanzieller Risiken Entscheidungsunterstützung und -beratung